Gestern saß mir wieder eine Klientin gegenüber, die mir sagte: "Mein Arzt hat mir HRT verschrieben. Aber ich verstehe nicht wirklich, was das ist und wie es funktioniert."

Das höre ich fast täglich. Und es ist nicht die Schuld der Ärzte - sie haben einfach keine 45 Minuten Zeit, um alles zu erklären. Aber ich habe diese Zeit. Und als jemand, der seit 15+ Jahren täglich mit Gynäkologen zusammenarbeitet, kann ich Ihnen das medizinische Wissen so übersetzen, dass Sie es verstehen.

Was ist HRT eigentlich?

HRT steht für Hormonersatztherapie (englisch: Hormone Replacement Therapy). Aber der Name ist etwas irreführend - wir "ersetzen" die Hormone nicht komplett, wir ergänzen sie.

Die einfache Erklärung:

Stellen Sie sich Ihre Hormone wie den Wasserstand in einem Pool vor. In der Perimenopause schwankt der Wasserstand wild - mal zu viel, mal zu wenig. In der Menopause sinkt der Wasserstand kontinuierlich. HRT fügt genug Wasser hinzu, um den Pool auf einem angenehmen Level zu halten.

Die zwei Haupt-Hormone in HRT

1. Östrogen

Östrogen ist das Haupt-Hormon, das in der Menopause sinkt. Es ist verantwortlich für:

Was die meisten nicht wissen: Modernes Östrogen in HRT ist "körperidentisch" - das bedeutet, es hat die exakt gleiche Molekülstruktur wie das Östrogen, das Ihre Eierstöcke produziert haben. Es wird aus Pflanzen synthetisiert, aber chemisch ist es identisch mit Ihrem eigenen Östrogen.

2. Progesteron/Gestagen

Wenn Sie noch eine Gebärmutter haben, brauchen Sie zusätzlich zum Östrogen auch ein Gestagen. Warum?

Östrogen allein lässt die Gebärmutterschleimhaut wachsen. Ohne Gegenspieler könnte das langfristig zu Gebärmutterkrebs führen. Gestagen schützt die Gebärmutterschleimhaut.

💡 Wichtig: Wenn Sie eine Hysterektomie hatten (Gebärmutter entfernt), brauchen Sie in der Regel nur Östrogen, kein Gestagen. Das vereinfacht die HRT erheblich.

Wie wird HRT verabreicht?

Hier wird es interessant, denn Sie haben Optionen:

Östrogen-Optionen:

Insider-Wissen: Transdermal (Pflaster, Gel, Spray) ist für die meisten Frauen die bessere Option, weil es das Thrombose-Risiko nicht erhöht. Gynäkologen empfehlen es besonders für:

Progesteron/Gestagen-Optionen:

Die zwei HRT-Schemata

Sequenzielles Schema (für Perimenopause):

Östrogen JEDEN Tag + Gestagen 12-14 Tage pro Monat. Führt oft zu einer leichten monatlichen Blutung (wie eine Periode). Geeignet wenn Sie noch gelegentliche Perioden haben.

Kontinuierliches Schema (für Postmenopause):

Östrogen UND Gestagen JEDEN Tag. Führt meist nach einigen Monaten zu keiner Blutung mehr. Geeignet wenn Sie seit 12+ Monaten keine Periode mehr hatten.

Wann wirkt HRT?

Das ist die Frage, die mir alle stellen. Die ehrliche Antwort:

💡 Insider-Tipp: Geben Sie HRT mindestens 3 Monate Zeit. Die Dosierung muss oft in den ersten Monaten angepasst werden. Das ist normal und kein Zeichen, dass HRT nicht funktioniert!

Die Risiken - was Sie wissen müssen

Hier wird es wichtig, dass Sie die Fakten kennen, nicht die Mythen:

Brustkrebs-Risiko:

Thrombose-Risiko:

Herz-Risiko:

Verwirrt? Unsicher?

Das ist völlig normal. HRT-Entscheidungen sind komplex und individuell. Ich helfe Ihnen, die richtige Entscheidung FÜR SIE zu treffen.

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Mein Insider-Rat an Sie

Nach 15 Jahren in der Pharma-Industrie kann ich Ihnen Folgendes sagen:

  1. HRT ist nicht gefährlich - die Studien, die Sie erschreckt haben, sind veraltet und wurden falsch interpretiert.
  2. Transdermal ist oft besser als oral - aber es kommt auf Ihre spezifische Situation an.
  3. Körperidentisches ist nicht zwingend besser - aber viele Frauen bevorzugen es.
  4. Dosierung ist individuell - was für Ihre Freundin funktioniert, muss nicht für Sie passen.
  5. Geduld ist wichtig - die erste Dosierung ist selten perfekt, Anpassungen sind normal.

Und am wichtigsten: Lassen Sie sich nicht von Angst leiten. HRT ist für die meisten Frauen sicher und kann lebensverändernd sein. Aber es ist IHRE Entscheidung - niemand sollte Sie drängen, weder dafür noch dagegen.

Über die Autorin

Als Pharma-Insiderin mit 15+ Jahren Erfahrung arbeite ich täglich mit führenden Gynäkologen zusammen. Meine Mission: Die Lücke zwischen medizinischem Wissen und Patientenverständnis zu schließen. Ich bin keine Ärztin, aber ich spreche ihre Sprache - und Ihre.

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